Robin

 

 

Robin ist ein 11-monatiges Riesenbaby.

Mit all seiner Kraft nenne ich ihn oft liebevoll „Büffel“. Aber das stimmt gar nicht.

Er ist sanft, liebesbedürftig und eine richtige Schmusebacke.

Und er ist sich der Sache sicher: „Ich bin ein Schoßhund.“

Nein, nein, er ist nicht zu groß, vielmehr ist mein Schoß zu klein.

Robin kommt mir vor, als wäre er ein reines, weißes, unbeschriebenes Blatt Papier auf dem noch gar nichts steht. Es ist ganz rein – nicht mal ein Klecks und ohne Eintrag. Eine junge, unerfahrene, reine Seele. Er hat kaum Urinstinkte. Kim zeigt ihm alles. Und er schaut aufmerksam zu. Wenn er etwas nachmacht und richtig macht, dann strahlt der Lümmel bis über beide Ohren und ist bollen-stolz. Andernfalls weißt Kim ihn in die Schranken, was er dann sofort akzeptiert. Wenn man aus einem Rudel mit 6 Hündinnen kommt, dann weiß man selbst als unerfahrener Rüde, dass man bei Zickenalarm den Ball besser flach hält.

Tja, der Bube hat so einige dieser Kamellen drauf. Er bringt uns oft zum Lachen mit seiner kindlichen Naivität. Auf dem Spaziergang könnten wir locker einen Gelben-Sack befüllen. Robin schleppt so ziemlich alles an. Von der Coladose, über Plastikdeckel, Trinkhalme, Pizzakartons, vorzugsweise benutzte Papiertaschentücher, Petflaschen u.v.m. Einmal kam er an,  hatte etwas im Maul und es lugte ein grünes Bändelchen heraus. „Bitte lass es nicht das sein, was ich vermute“  ** Treffer !

Ein Mal standen wir am Bach. Es war sehr heiß und ich war mir sicher, dass Robin Durst hat. Aber er wusste nichts mit dem Nass an zu fangen. Ich wollte ihn hineinschicken, aber er schaute mich nur mit großen Fragezeichen in den Augen an. Hä ? Kim lief an ihm vorbei und stand in den Bach hinein.  Ich forderte ihn auf, das Gleiche zu tun. Aber er nur: Hä ? Was ? Kim forderte ihn mit einem Bellen auf. Da tapste er vorsichtig mit den beiden Vorderfüßen in´s Wasser. Hmmm, aha. Ich erklärte ihm, dass das eine gute Gelegenheit zum Trinken wäre. Wasser, trink doch. Aber Robin stellte wieder seine Fragezeichen über die Stirn. Ähm ? Was ? Dann begann Kim zu trinken: Schau mal, so macht man das! Robin schaute, nahm einen Zungenschlag mit Wasser und dann: ohhhhhhh, jaaaa, trinken, jaaaaa, so geht das. Ohhh, lecker, Durst, schlabber.

 

Kim hat endlich wieder einen Kameraden an ihrer Seite und eine Aufgabe. Sie wächst in sich und hat wieder eine Ausstrahlung, dass einem das Herz aufgeht. Robin´s Energie tut auch ihr gut.

 

Ich weiß nicht, was wir noch alles mit ihm erleben dürfen, aber ich werde auf jeden Fall davon berichten.

 

Robin´s  „Anreise“

 

Floyd hat seine Augen für immer geschlossen. Er hatte mir versichert, dass alles vorbereitet war und alles seinen Lauf nehmen würde. Auch bleibe er solange bei mir, bis ich die schlimmste Trauer überstanden habe. Ich kam gut mit dem Abschied von Floyd zurecht – auch Kim konnte ihn gehen lassen. Wir waren ja nicht alleine. Floyd war da – auf einer anderen Ebene. Doch der Alltag zeigte uns in unzähligen Situationen, dass die Lücke die Floyd hinterließ, sich zu einem unüberwindlichen Abgrund auftat. Monate vergingen. Ich zog mich in mich zurück und klammerte mich an Floyd; auch Kim entfernte sich immer mehr aus unserer Welt. Sie zog sich zurück, hatte keine Aufgabe mehr. Es war an der Zeit, wieder junges Leben in unsere Gemeinschaft zu holen. Klar war: es wird wieder ein Kurzhaarcollie sein. Aber nicht irgendeiner. So lernten wir eine bezaubernde junge Hündin kennen. Kim hätte zwar lieber einen Rüden an ihrer Seite gehabt, aber diese Hündin wäre ihr auch eine gute Freundin gewesen, so Kim´s Aussage. Ich kriegte es aber nicht organisiert. So ein junger Hund braucht eine Beschäftigung. Da ich berufstätig bin, suchte ich nach einer Lösung. Es gab keine. Aussichtslos. Es schmerzte und wir zogen uns zurück. Ich bat Floyd um Rat. Er zeigte mir einen halbwüchsigen tricolour Rüden – ohne Kommentar. Ich wusste nicht, was ich davon halten soll. Ich hatte doch keine Lösung für den Alltag mit einem jungen Hund.

Dieser Wunsch, für mich und auch für Kim wieder eine Aufgabe zu haben die uns beiden Freude macht, uns zum Lachen bringt und für Abwechslung sorgt; und er war nicht realisierbar.

Wieder bat ich Floyd um Hilfe. Hatte er mir doch versprochen, dass alles geregelt ist. Und wieder zeigte mir Floyd ohne weitere Hinweise einen halbwüchsigen tric. Rüden. Dieses Mal hier bei uns in den Reben – an seiner Seite. Auch wenn ich nicht wusste wie ich es bewerkstelligen sollte, so machte ich mich doch auf die Suche nach diesem Rüden. Meine Kurzhaarcollie-Züchterin hatte gerade 2 Würfe Welpen. Darunter 4 tric. Rüden. Ich befragte die Welpen, ob den einer unter ihnen für uns bestimmt sei und bekam ein flüchtiges „nö“, bevor das Gewusel weiterspielte. Ich war sehr enttäuscht darüber. Kim war nicht enttäuscht, sie wusste es. Flehend wandte ich mich wieder an Floyd. Er entfernte sich  immer mehr von mir und abermals zeigte er mir dieses Bild: Floyd mit einem halbwüchsigen tric. Rüden hier bei uns in den Reben. Was nur sollte ich tun. Floyd verlässt mich und dann bin ich ganz alleine.

Dann erfuhr ich, dass sich meine Züchterin einen tric. Rüden aus Finnland geholt hatte. Er war gerade 5 Monate alt und darf, wenn er erwachsen ist, die Deutsche Kurzhaarcolliezucht mit seinen Genen auffrischen. Sollte er etwa „unser“ Rüde sein ?

Ich traute mich nicht selbst Robin zu fragen. Ich war mir nicht sicher, ob ich da nicht etwas hinein interpretierte. So bat ich meine Lehrerin ihn zu befragen. Robin wartete bereits darauf. Ja, er war für uns und er wollte so schnell als möglich an „seinen“ Platz. Auf die Frage hin, ob Floyd ihn geschickt hat antwortete er: „ ja, Floyd ist mein Lehrer. Ich bin eine junge, noch unerfahrene Seele und habe keinerlei Erfahrung. Ich werde noch Vieles falsch machen und brauche viel Verständnis.“ Da ich es nicht schaffte, Floyd loszulassen, beschloss Floyd, diese Bande zu trennen. Es sollte mir künftig nur noch möglich sein, über Robin mit Floyd in Kontakt zu treten. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Da war Robin, der für uns bestimmt ist und auf der anderen Seite verließ Floyd mich. Ich war verzweifelt, hilflos und verlassen.

„Wenn Du etwas willst, suche eine Lösung, andernfalls suche eine Ausrede“ das waren die Worte einer Freundin. Anfangs dachte ich, ich müsse mich dafür rechtfertigen, dass ein junger Hund und Berufsleben nicht zu vereinbaren waren. Doch dann begriff ich, dass ich es wirklich haben wollte. Sogar meine Tochter bestärkte mich in meinem Vorhaben. „Wenn der Hund zu Dir gehört, dann musst Du ihn Dir holen.“

Aber: Robin war ja der Hund meiner Züchterin. Sie hatte ihn sich extra aus Finnland geholt und ihn bereits  in ihr Herz geschlossen. Konnte ich es wagen, sie zu fragen ob ich Robin haben darf ? Wie komme ich überhaupt auf die Idee, dass ich ihn kriegen würde ?

Zwischenzeitlich wusste jeder meiner Bekannten, wer Robin war und was es mir und Kim bedeutete ihn zu uns Heim zu holen. Also fasste ich mir ein Herz und bat meine Züchterin, ob sie sich vorstellen könnte, dass Robin bei uns, besser gesagt „mit uns leben“ darf.

Kim und ich durften sie und Robin besuchen. Zum ersten Mal werde ich ihm in die Augen sehen, meine Nase in sein Fell stecken dürfen, ihn spüren. Auch Kim war ganz aufgeregt und voller Vorfreude.

Dieser Besuch war ein wichtiger Tag für uns. Wir wurden freudig und ehrlich, mit offenen Armen – wie immer – empfangen. Kim ist zwischenzeitlich 12 Jahre alt und dreht noch immer auf, wenn Sie Ihre Züchterin sieht. Da waren wir nun: bei Robin. Mir kamen die Tränen vor Rührung. Ja, das war unser Robin. Auch Kim war sich sofort sicher: das ist unsrer. Da drehte sie sich schnurstracks um und lief die Treppe hinunter zur Haustüre. Was war das ? Sonst wollte sie doch immer noch dableiben. „Was ist los ?“ fragte ich Kim. Sie wollte Robin nur abholen und dann gleich mit nach Hause nehmen. Als ich ihr erklärte, dass das heute nur ein Besuch war, lies sie die Ohren hängen und war enttäuscht. Ich wusste nicht, ob und wie die Züchterin entscheiden wird. Im Laufe des Nachmittags erklärte sie uns dann, dass sie sich vorstellen könnte uns Robin anzuvertrauen.

Es war klar, jetzt war es klar. Es wird alles gut. In meinem Herzen startete ein Feuerwerk. Die Raketen schossen aus meinem Herzen zuerst unter meine Schädeldecke, dann zurück über die Brust bis hinunter in meine Zehen und dann das Ganze wieder von vorne. Ja, er wird zu uns kommen.

Auf unserer Heimfahrt kam es erst recht in mir an. Robin wird zu uns kommen dürfen. Es war nur noch eine Frage der Zeit. Ich konnte nun alles organisieren und vorbereiten. Mein Bekanntenkreis kriegte nun, ob sie es wollten oder nicht, meine Freude mit ab. Auch Kim konnte sich langsam damit abfinden, dass er noch eine Weile dauern wird, aber Robin dann zu uns kommt.

Ich bemühte mich mit Volldampf einen Tagesplatz für Robin zu finden. Und ich fand einen supertollen ;o)  Endlich war alles soweit geregelt, dass Robin zu uns kommen konnte.

Floyd hatte es ja gesagt: es ist für alles gesorgt. Wie konnte ich daran zweifeln. Vertrauen gehört  nicht zu meinen Eigenschaften. Das sollte ich noch lernen. Ebenso wie das Annehmen. Daran wurde ich in diesem Augenblick wieder erinnert.

Wir waren soweit. Die Züchterin brauchte noch etwas Zeit um sich innerlich auf den Abschied von Robin vorzubereiten.

Im März war es dann soweit. Robin bestellte seinen Transporter für den Umzug. Es war ein Geburtstagsgeschenk, wie ich es mir nicht schöner hätte vorstellen können. Mein Freund bot mir an, dass er uns mit seinem Auto fährt und Robin mit uns Heim holt.

Diese Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Teilnahme welche ich in dieser Zeit erfahren und erfühlen durfte, kann ich nicht in Worte fassen.

Jetzt ist Robin seit März bei uns. Floyd schaut ab und zu noch „vorbei“. In nicht mehr all zu langer Zeit wird er uns alleine lassen und seinen Weg in´s Licht gehen. Ich werde ihm meine Liebe mit auf den Weg geben.

 

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