Herkules alias Psycho

 

Er ist ein schwarz-weißer Main-Coon-Mix.

Schon als Katzenkind war er etwas „anders“.

Eine junge schwangere Mutter, mit einem knapp 1 jährigen Baby, einem Jagdhund, 2 Katzendamen unkastriert mit Freilauf und nun einem Wurf Katzenbabys – da ist man schon stressgeplagt. Nein, da kann man sich nicht um ein 5 Wochen altes „spinniges“ Katzenkind kümmern und ständig hinter dem Schrank hervorziehen. Also: landete dieses kleine scheue, verstörtes Wesen im Bad. So praktisch. Man braucht den Kleinen nicht suchen. Dort wuchs dieses schwarz-weiße Geschöpf zu einem nicht gerade sozialisierten Halbwüchsigem auf – ohne Kontakt, mit Trockenfutter und Wasser.

Als ich davon erfuhr wusste ich, dass ich diesem verstörten Lebewesen eine Chance geben möchte. Freilauf kann ich ihm zwar auch nicht bieten, aber zumindest eine 4-Zimmer-katzengerecht eingerichtete Wohnung mit einer gesicherten Terrasse zum Sonnenbaden und: Zuwendung, Liebe, Artgenossen und: eine Familie !

Also machte ich mich auf den Weg um den Kleinen zu uns nach Hause zu holen. Ich musste sogar noch dafür bezahlen, dass ich diesen Katzenbube der noch nicht einmal geimpft war, mit nehmen durfte. Mit den Worten „lassen sie ja den Deckel zu, den kriegen sie sonst nie wieder“ überreichte man mir unser künftiges Familienmitglied.

Ein separates Zimmer mit Katzenbaum, -höhlen, -toilette und Fressplatz war bereits für unseren Herkules reserviert. Die Türe blieb offen, aber ein kleines Holzgitter hinderte unsere beiden Hunde daran hineinzukommen, damit der Neuankömmling nicht unnötig erschrecken sollte.

Weit gefehlt. Nachdem die Transportbox geöffnet wurde, schoß Herkules völlig panisch heraus hinter ein Schränkchen und ward nicht mehr zu sehen. Nassfutter rührte er nicht an und Trockenfutter fraß er nur nachts, wenn keiner drum herum war.

Ruhig und sachte versuchte ich mich immer wieder ihm zu nähern. Hatte ich da tatsächlich eine Katze geholt? Es hörte sich eher an wie eine Schlange.

Immer wieder bot ich Futter an, setzte mich ruhig in das Zimmer, sprach mit meinen 2 anderen Katzen, die auch sog. Second-Hand-Katzen sind und vermied es, den neuen Gast zu erschrecken oder zu bedrängen.

Dann nach ca. 3 Wochen schloß sich Herkules zu aller erst unserem Kurzhaarcollie-Rüden an.

Jetzt wusste ich, er wird sich in unsere Familie einleben, denn jetzt hatte er den ersten Freund in seinem Leben gefunden.

Zwischenzeitlich sind 5 Jahre vergangen. Herkules ist zu einem stattlichen Kater herangewachsen. Für einen Main-Coon ist er allerdings zu leicht. Beim Fressen darf sich immer noch keiner bewegen oder stören. Wenn etwas herunterfällt, oder es an der Tür klingelt, schießt er panikartig den Kratzbaum hoch und verschwindet auf dem Schrank hinter dem Lautsprecher. In einem geschlossenen Zimmer zu sein, ist für ihn die Hölle. Dieses Trauma wird er wohl nie los werden.

Aber er hat Vertrauen zu uns gefasst, kommt und schmußt, genießt die Sonnenstrahlen auf seinem Brett auf der Terrasse, ärgert auch schon mal die Hunde und fordert sie auf, ihm hinterher zu jagen, putzt seinem Artgenossen die Ohren aus, liegt auch für kurze Zeit auf meinem Schoß solange sich sonst niemand bewegt. Wenn er dann auch nur für einen ganz kurzen Moment schnurrt, so ist das mein Lohn für die Liebe und Zuneigung die ich für all meine Tiere aufbringe. Denn sie tun das gleiche für mich.

Woher nimmt der Mensch nur das Recht, eine unschuldige, winzige Tierseele, die hier auf unserer Welt ankommt, ein ganzes Katzenleben zu verderben ?

 

zurück

 

 

Kostenlose Webseite erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!