aktiver Hundeplatzkasper

 

Als ich meinen Floyd im Oktober 1997 zu mir holte, hatte ich ein Ziel vor Augen: er sollte eine Ausbildung zum verkehrssicheren Begleithund absolvieren. Denn ich wollte mit meinem Hund sicher und ohne Leine durch ein gemeinsames Leben gehen.

Ansonsten sollte mein Hund für mich ein Familienhund und Begleiter sein.

So begann ich mit der Ausbildung im Frühling 1998 ohne Druck und ohne Drill, nur über den Spieltrieb meines Junghundes – und davon hatte er reichlich. Es machte uns beiden großen Spaß. Besonders das Toben mit den anderen Hunden, vor und nach dem Übungsbetrieb begeisterte uns beide. Knapp ein Jahr später, im November 98, legte Floyd seine „BH“ ab. Der Richter lobte seine freudige Gangart. Ich strotzte vor Stolz. Nun hatte ich erreicht, was ich wollte. Aber: wir suchten auch künftig Beschäftigung.

In unserem Verein wird glücklicherweise AGILITY angeboten. Da schielten wir schon lange mit einem Auge drauf. So machten wir uns daran, gemeinsam durch den Tunnel zu robben, über Hürden zu springen und über die Wippe zu jonglieren.

Die Begleithundeprüfung als Voraussetzung dafür hatte mein Floyd ja nun.

Und siehe da: wir fahren beide voll drauf ab.

Wir üben 1-2 mal pro Woche und sehen oft aus, wie kleine Schlamm-Ferkel. Das mindert unsere Freude daran jedoch keineswegs. So ist mein Hund ausgelastet und meine morschen Knochen rosten nicht ein. Nach unserem 3. „V“ und 2 Pokalen in A1 sind wir zwischenzeitlich aufgestiegen in A2. Wir starten sogar in der Regionalliga. Jeder Lauf  ist eine Überraschung wert. Denn meist ist Floyd schneller als ich. Wehe es steht ein Tunnel in der Nähe; da gibt es kein halten mehr. Er rast  voller Begeisterung durch, erwartet mich bereits bellend am anderen Ende und fordert mich so auf, etwas „Gas“ zu geben. Wenn er dann so da steht, mit angespannten Muskeln und voller Tatendrang, leider durch das falsche Hinderniss – ich kann ihm nicht böse sein. Da muß ich einfach lachen über meinen hibbeligen Kasper.  Also zur sog. Königsklasse A3 werden wir es womöglich nicht schaffen. Aber wir sind mit Feuereifer dabei, auch wenn´s mal eine Disqualifikation gibt. Für uns zählt einfach: Just vor Fun!

Ausstellungen und Zuchtschauen sind auch gut und recht und natürlich erforderlich. Schließlich will man seine Schönheit ja auch präsentieren. Das brachte uns im Jahr 2000 bereits 4x ein „V1“. Trotzdem, irgendwie ist da mein Hund nicht ausgelastet. Immer hält er Ausschau nach irgendwelchen Geräten, wartet darauf, daß er seinen Bewegungsdrang ausleben darf. Seiner Meinung nach, dürfte so ein Richter zwischendurch ruhig auch mal einen Tennisball durch die Luft schleudern, oder ein Tunnel im Ring stehen.

Aber: so ein Kurzhaarcollie aus gutem Hause weiß sich schließlich zu Benehmen.

Zur Auffrischung des Gehorsams, nahmen wir im Mai 2000 an einem Teamtest in einem GHSV teil. Bei einer Übung sollte Floyd aus dem Gehen heraus absitzen und ich sollte weitergehen ohne nachzuschauen. Das kennt er wohl und kann es auch. Aber Lust hatte er offensichtlich keine. Als ich in einiger Entfernung stehenbleiben mußte und mich umdrehte, stand da mein Hund schwanzwedelnd, die Ohren vor Freude auf  Halbmast und wartete nur darauf, daß ich zu ihm zurückkehrte und ihn (wie immer) überschwenglich lobte. Ich mußte schmunzeln, kehrte zu meinem Kasper zurück und beendete die Übung sonst völlig korrekt. So belegten wir den 3. Platz und ernteten ein dickes Lob des Richters, der uns gratulierte, als „vorbildliches Gespann“ das nicht wie eine Maschine zu funktionieren hat.

An einem Abend im Juni  nahm ich mit Floyd kurz entschlossen an einer Ausdauerprüfung teil. Es galt 20 KM mit dem Fahrrad, unter Einhaltung von 2 Pausen zurückzulegen. Fahrradfahren ist für Floyd endlich mal eine Fortbewegungsart der Menschen, nach seinem Geschmack. Da die Strecke entlang des Rheins zu fahren war, sah weder mein Hund noch ich es als Prüfung an, weil wir dort fast täglich entlang radeln. Trotzdem wurden die Pfoten mehrfach sorgfältig vom Prüfungsleiter kontrolliert.

Am Ende dieser Prüfung muß der Hund beweisen, daß er noch in der Lage ist, eine anständige Unterordnung zu laufen. Auch das erledigte Floyd ohne Erschöpfungszustände. Als der Richter die Übung als „bestanden“ erklärte, ließ ich Floyd frei laufen. Da wir uns auf dem Agility-Platz befanden, konnte mein Kasper nicht widerstehen, noch schnell über den Steg und die Wippe zu flitzen. Wieder einmal mußten die Zuschauer und die anderen Prüfungsteilnehmer über meinen Hund lachen.

Im Oktober belegte ich mit meinem Hundeplatz-Kasper den 2. Platz beim Teamtest,

dieses mal allerdings ohne Belustigungseinlage unsererseits. Erst bei der Siegerehrung war es wieder einmal Floyd, der die Leckerli aus seinem Pokal plünderte, während ich die Urkunde entgegen nahm.

Wenn dann mein „Knallfrosch“ aber friedlich grunzend neben meinem Sessel auf seiner Matratze liegt, ist aus dem Aktiven ganz plötzlich ein schmußebedürftiger Knuddelhund geworden. Auch das, genießen wir alle beide.

 

Ich bin so glücklich mit meinem Kurzhaarcollie und hoffe, daß wir beide noch lange gemeinsam über den Parcours stolpern können. 

                                                                                            

 

zurück

 

 

Kostenlose Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!